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Biowissen vom 26.05.2015
 

Thema des Monats: Gärtnern für die Artenvielfalt

Ob mit oder ohne eigenen Garten oder Balkon - Nachhaltiges Gärtnern lässt sich für jeden verwirklichen.

In einem lebendigen Garten ist es kunterbunt und wild. Ameisen und Käfer wuseln herum, Bienen und Libellen schwirren durch die Luft und ein gesunder Boden wimmelt vor Regenwürmern und Millionen Kleinstlebewesen. Doch wie schaffe ich es, diese Lebensräume nachhaltig zu gestalten und was bedeutet eigentlich Artenvielfalt?

Artenvielfalt oder Biodiversität
Die Artenvielfalt ist ein Teil der Biodiversität. "Unter dem Begriff Biodiversität versteht man die genetische Vielfalt innerhalb und zwischen Arten sowie die Vielfalt der Ökosysteme und Landschaftsregionen. Ferner zählt hierzu auch die Vielfalt an Funktionen, die Arten innerhalb der Ökosysteme füreinander erfüllen und über die sie in Wechselwirkung stehen."*

Daher gibt es zahlreiche Gründe die Biodiversität zu erhalten. "Der offensichtlichste ist, dass die biologische Vielfalt die Grundlage für das Leben auf der Erde ist. Das heißt, zerstören wir sie, dann sägen wir den Ast ab, auf dem wir sitzen."**

Das Bundesamt für Naturschutz hat im Mai zum ersten Mal eine umfassende Analyse der in Deutschland lebenden Tier-, Pflanzen- und Pilzarten im Artenschutzreport 2015 veröffentlicht. Demnach ist der Zustand der Artenvielfalt alarmierend. Denn jede dritte Art ist im Bestand gefährdet, andere sind bereits ausgestorben.

Deutschland beherbergt rund 48.000 Tierarten, 9.500 Pflanzen- und 14.400 Pilzarten. In der Roten Liste Deutschlands wurden mehr als 32.000 heimische Tiere, Pflanzen und Pilze hinsichtlich ihrer Gefährdung untersucht. Dabei zeigt sich ein ernüchterndes Bild: Rund 31% wurden als bestandsgefährdet eingestuft, 4% sind bereits ausgestorben.

Fast 28% der Wirbeltierarten, die Fische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere umfassen, sind aktuell bestandsgefährdet. Bei den wirbellosen Tieren, zu denen beispielsweise die Insekten gehören, gelten sogar 45,8% der bislang 6.057 untersuchten Arten und Unterarten als bestandsgefährdet, extrem selten oder bereits ausgestorben. Zu den zentralen Verursachern des dramatischen Rückgangs gehört die intensive Landwirtschaft.

www.bfn.de/fileadmin/BfN/presse/2015/Dokumente/Artenschutzreport_Download.pdf

Von 2010 bis 2013 ging bereits eine internationale Studie unter Beteiligung der Technischen Universität München (TUM)der Frage nach, ob der ökologische Landbau und die extensive Formen der Landnutzung die Biodiversität fördern. Ein wichtiger Forschungspunkt war in wie weit mehr Arten auf ökologisch bewirtschafteten Betrieben als auf konventionellen Höfen vorkommen. Dazu wurden europaweite einheitliche Methoden zur Datenauswertung herangezogen. Sowohl der Einfluss von Art und Intensität der Bewirtschaftung als auch die Landschaftsstruktur auf Biodiversität wurde analysiert. Die Studie kam zu dem Entschluss, dass die Artenvielfalt von Pflanzen und Wildbienen vor allem auf Ackerflächen vom Ökolandbau profitiert. www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/kurz/article/31630/

Doch nicht nur die Landwirtschaft kann auf ihren Feldern etwas für die Artenvielfalt tun, Nein! Jeder einzelne hat in seinem Umfeld mit oder ohne eigenen Garten oder Balkon die Möglichkeit dazu.

Insektenhotels
Um den beheimateten Insektenarten im eigenen Garten Lebensräume zu schaffen, bieten sich Insektenhotels an, um damit einen nützlichen Beitrag zur Artenvielfalt zu erbringen.
Insektenhotels sind künstlich hergestellte Nist- und Überwinterungsplätze für Nützlinge in unterschiedlichen Größen, die freistehend oder hängend an Bäumen und Hauswänden angebracht werden können. Der Name Insektenhotel stammt von der hausähnlichen Bauart her, die aus mehreren Etagen bestehend von oben durch einen dachartigen Überstand geschützt wird. Insektenhotels kann man fertig oder im Bausatz kaufen oder man nimmt sich die Zeit und sammelt in der Natur das Material selbst für den Eigenbau.

Umweltverbände und gemeinnützige Vereine haben eine vielfältige Auswahl an Herbergen für unterschiedliche Arten an Insekten im Bestand, beispielsweise für Bienen, Schmetterlinge und Marienkäfer. Außerdem gibt es im Netz zahlreiche Anleitungen zum Selberbauen.

Besonders in Zeiten des Bienensterbens und des Rückgangs der biologischen Vielfalt, ist ein Insekten-Hotel eine wertvolle Unterstützung zur Erhaltung des Artenschutzes. Aber auch der jüngste Trend des Stadt-Imkerns zum Erhalt der Bienenvölker findet immer mehr Anhänger.

Imkern in der Stadt
Bienen halten in der Stadt klingt erst einmal komisch. Doch Bienen sehen das offenbar ganz anders. Sie fühlen sich in der Stadt rundum wohl! Parkanlagen, Hausgärten, Alleen, verwilderte Grundstücke, ja selbst Verkehrsinseln und Balkonpflanzen bieten den Bienen vom Krokus im Frühjahr bis zur Goldrute im November stets einen reich gedeckten Tisch. Immer mehr Städter entdecken das Stadtimkern als Hobby und bieten Honigbienen auf (Dach-)Terrassen und Balkons ein neues Zuhause. Für einen verantwortungsvollen Umgang mit den Bienen bieten zahlreiche Initiativen Bienenkästen und Workshops für die Stadt-Imker an. Die Bienenkästen gibt es als Bienenbox im Selbstbausatz oder als fertige Kiste zu bestellen.

Artenvielfalt im eigenen Garten oder auf Balkon
Nachhaltiges Gärtnern im eigenen Garten fördert die Artenvielfalt. Wichtig ist es hier, auf folgende Punkte zu achten:

  • Auswahl der Pflanzenerde
  • Gute Erde zeichnet sich dadurch aus, dass sie locker in der Hand zerfällt, während minderwertige beim Gießen schlammig wird. Umweltschutzverbände empfehlen, zur "torffrei" deklarierten Blumenerde zu greifen, denn der Abbau von Torf zerstört in großem Stil unsere Moorlandschaften: Lebensräume vieler Tiere gehen verloren und das Klima wird geschädigt.
  • Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel
  • Statt Pestizide selbst angesetzte Brühen wie bspw. Brennnessel-Jauche verwenden und Lebensräume für Nützlinge schaffen.
  • Organische Dünger verwenden
  • Das Angebot an organischen Düngern ist vielfältig. Die Varianten reichen von Hornspäne und Tiermehlen über pflanzliche Dünger z.B. auf Basis von Zuckerrüben bis hin zu veganen Dünger und lassen sich am besten im Fachhandel kaufen.Auch hier gilt "So viel wie nötig, so wenig wie möglich."
    Idealerweise sollte man selbstgemachten Kompost aus pflanzlichen Küchen- und Gartenabfällen nutzen. Der nährstoffreiche Kompost versorgt die Pflanzen ideal und belastet das Klima nicht.
  • Einheimische Pflanzen bevorzugen
  • Heimische Pflanzen sind robuster gegen Schädlinge und Krankheiten und bieten Lebensraum und Nahrungsquellen für einheimische Tierarten.
  • Sortenfestes Saatgut nutzen
  • Bevorzugen Sie ökologisches Saatgut, das außerdem samenfest ist. Anders als Hybrid-Saatgut, das sich nicht weiter vermehren lässt, können samenfeste Sorten mit stabilem Sortenbild weiter vermehrt werden. Das bedeutet, die nachgezogenen Pflanzen haben die gleichen Eigenschaften und die gleiche Gestalt wie die Mutterpflanze und sind in der Lage, fruchtbare Samen zu bilden.
  • Wasser sparen
  • Nutzen Sie die frühen Morgen- oder späten Abendstunden zum Bewässern. Dann geht nicht so schnell Wasser durch Verdunstung verloren. Verwenden Sie idealerweise aufgefangenes Regenwasser. Benötigen Sie doch Leitungswasser, gießen Sie die Pflanzen langsam direkt im Wurzelbereich. Hierzu Gießkannen oder Schlauch mit weichem Strahl, am besten Pflanzenduschaufsätze nutzen.

    Die leckersten Nahrungsmittel stammen aus dem eigenen Garten. Wer gerne einen Schritt in Richtung Selbstversorgung gehen und Gemüse selbst anbauen möchte, sollte sich unbedingt für eine Gemüsebeet oder Hochbeet entscheiden oder sein Gemüse im eigenen Balkonkasten anpflanzen. Aber auch wer weder über einen eigenen Garten noch über einen eigenen Balkon verfügt, für den gibt es Lösungen, wie beispielsweise Mietgärten oder das Urban Gardening. Beide Konzepte begeistern vor allem in den Metropolstädten zahlreiche Naturfreunde uns sorgen für mehr Artenvielfalt in der Stadt.

    Mietgärten und Urban Gardening
    Urban Gardening kann mit dem Begriff Gemeinschaftsgärten übersetzt werden. Diese findet man auf ungenutzten Industrieflächen, auf Verkehrsinseln, in Hinterhöfen und Parks. Gemeinsam statt einsam wird hier geschaufelt, gesät, gepflanzt, gepflegt und geerntet. In aufgeschnittenen Milchpackungen, in Reissäcken und in Bäckereikisten sprießen leckere Feuerbohnen, Kartoffeln, Salate, Tomaten und Petersilie.

    Auf brach liegenden Flächen entstehen mitten in der Stadt Gemüse- und Kräutergärten. Jeder kann mitmachen und lokal Lebensmittel erzeugen, eine neue Form städtischer Gemeinschaft erleben und mancherorts damit politische Signale setzen. Möchten Sie sich beteiligen? Urban Gardening Projekte in Hamburg finden Sie hier.

    Die Mietgärten muss man sich vorstellen als einen großen, bunten Gemüsegarten, der unterteilt ist in viele gleichgroße Parzellen, auf denen jeweils dasselbe wächst. Hier gibt es die Möglichkeit, auch ohne große Vorerfahrung viel leckeres eigenes Gemüse zu ernten.

    Gegen einen einmaligen Saisonbeitrag kann man von Mai bis zum Herbst frisches Gemüse selbst heranziehen und ernten. Vor allem Familien mit Kindern nutzen das Angebot, hautnah zu erleben, wie das Essen eigentlich wächst.

    Die Bodenbearbeitung und das Düngen sowie die erste Aussaat werden oftmals bereits im Vorfeld durch die LandwirtInnen geleistet. Vorerfahrungen beim Gärtnern oder im Gemüsebau sind nicht notwendig, da es regelmäßige Beratungsangebote vor Ort gibt. So ist eine reichhaltige Ernte garantiert.

    Am 22. Mai war der Tag der Artenvielfalt. Es bleibt zu hoffen, dass sich viele von der Idee anstecken lassen, aus eigener Kraft neue naturnahe Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu schaffen und damit einen Zugewinn für die Artenvielfalt zu leisten.

    *www.bpb.de/gesellschaft/umwelt/dossier-umwelt/61283/bedeutung
    **www.greenpeace.de/themen/artenvielfalt

    Weiterführende Links
    NABU Insektenhotels selber bauen bit.ly/1LECMpQ
    www.insekten-hotels.de
    www.bienenbox.de
    www.stadtbienen.org
    www.biologisch-gaertnern.de