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Aktuelles vom 23.03.2018
 

Bioland-Präsident Jan Plagge

"Benachteiligung des Ökolandbaus bei Forschungsförderung beenden"

Kommentar zur Regierungserklärung von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner

Mainz, 22.03.2018. - "Frau Klöckner muss sich den immer größer werdenden Herausforderungen in der Landwirtschaft und Ernährung stellen", fordert Bioland-Präsident Jan Plagge im Vorfeld der für morgen angekündigten Regierungserklärung von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner. "Viele Themen wie der dramatische Rückgang der Artenvielfalt oder der Tierschutz wurden über lange Zeit verschleppt.
Ein 'Weiter so' hilft weder Bauern noch Verbrauchern. 20 Prozent Bio-Fläche bis spätestens 2030 zu erreichen, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, ist ein konkreter Lösungsansatz und bietet nicht nur eine Zukunftsperspektive für die deutsche Landwirtschaft, sondern sorgt gleichzeitig für sauberes Wasser, eine hohe Artenvielfalt und mehr Tierschutz. Dieses Signal ist bei sehr vielen konventionellen Landwirten längst angekommen, das Umstellungsinteresse ist sehr groß.
Die Politik muss nun mutig handeln, um diese Veränderungsbereitschaft in der Landwirtschaft auch zu nutzen. Frau Klöckner muss jetzt die ausgewogenen Maßnahmen der vorliegenden 'Zukunftsstrategie ökologischer Landbau' zu Forschung, Umstellung und Absatzentwicklung konsequent umsetzen. Dies wird nicht gelingen, wenn die Benachteiligung in der Verteilung von öffentlichen Forschungsmitteln nicht beendet wird.
Wer 20 Prozent Ökolandbau zum Ziel hat, braucht auch mindestens 20 Prozent der Agrar-Forschungstöpfe für diese wichtige Aufgabe, die Nutzen und Ergebnisse für die gesamte Landwirtschaft liefern wird. Für die Umsetzung der Zukunftsstrategie muss daher deutlich mehr Geld im Bundeshaushalt eingestellt werden, als von der Vorgängerregierung bisher eingeplant wurde."

Zum Hintergrund:

  • Der Koalitionsvertrag sieht einen zügigen Ausbau des Bio-Landbaus auf 20 Prozent der Agrarfläche vor und nennt mit 2030 ein konkretes Zeitziel. Das bedeutet ein Potential von zusätzlich 2 Millionen Hektar Bio-Fläche. Aktuell werden nur rund 8 Prozent der Agrarfläche ökologisch bewirtschaftet.


  • Der Bund muss seinen finanziellen Beitrag leisten, damit eine verlässliche Honorierung der Umweltleistungen für mehr heimische Ökobetriebe dauerhaft gewährleistet ist. Allein für diese Flächenprämien steigt der zusätzliche jährliche Finanzbedarf bei 20 Prozent Bio-Flächen schrittweise auf 650 Millionen Euro.


  • Im wichtigen Feld der Agrarforschung wird der ökologische Landbau bisher extrem benachteiligt. Aktuell fließen lediglich 1,6 Prozent der Agrarforschungsmittel in den Bio-Landbau, 20 Prozent wären nötig.


  • Die Vorgängerregierung plante ein, die "Zukunftsstrategie ökologischer Landbau" mit 30 Millionen Euro jährlich zu finanzieren. Der Dachverband der Biobranche, BÖLW, sowie der Deutsche Bauernverband fordern einheitlich, die Zukunftsstrategie mit mindestens 60 Millionen Euro jährlich auszustatten.