Sie befinden sich hier: | Biowissen


alle Beiträge anzeigen | neue Suche
Biowissen vom 09.08.2016
 

Thema des Monats: Mikroplastik

Mit vereinten Kräften für eine plastikarme Lebensweise!

Wir erledigen damit unsere Einkäufe, verpacken unsere Lebensmittel und brauchen es als Schutz vor Schmutz. Wir erfinden daraus Rasierschaum, schmieren es uns als Peeling aufs Gesicht und umhüllen unsere Wimpern damit: Plastik. Plastik in allen Formen und Farben, von riesigen Konstrukten bis hin zu winzigen Plastikkügelchen, noch kleiner als ein Reiskorn. So winzig diese Plastikteilchen auch sein mögen: Sie machen Schlagzeilen.

Was ist Mikroplastik?

Es ist längst bekannt, dass die Meere unter Plastikmüll leiden; unter riesigen Ansammlungen von Plastiktüten, die es mit jeder Welle an die Küste spült. Nun ist die wirkliche Gefahr fürs menschliche Auge jedoch weitgehend unerreichbar, aber nicht minder gefährlich.

Wenn von Mikroplastik die Rede ist, meinen Experten damit die winzigen Plastikteilchen, die entweder bei der Plastik- oder Kosmetikherstellung in den Umlauf kommen oder durch den Verwitterungsprozess größerer Plastikteilen entstehen. Sobald ein Plastikteilchen weniger als fünf Millimeter misst, bezeichnet man es als Mikroplastik.

Mikroplastik wird in vielen herkömmlichen Kosmetikprodukten verwendet, denn es hält her als Schleifmittel, Bindemittel, Füllmittel und Filmbildner. Doch auch beim Verwitterungsprozess von Plastiktüten und weiteren Kunststoffteilen kann Mikroplastik entstehen.

Weshalb ist Mikroplastik gefährlich?

Durch das Abspülen von Kosmetikartikel wie Shampoos, Peelings oder Salben geraten Mikroplastikpartikel in die Abwassersysteme. Unsere heutigen Kläranlagen sind jedoch nicht genügend ausgebaut, um kleinste Mikroteilchen filtern zu können. Das Plastik reist also weiter in die öffentlichen Gewässer. Dort setzt es sich entweder am Meeresgrund fest oder schwimmt auf der Wasseroberfläche weiter. Kleinstlebewesen wie Zooplankton, Muscheln oder Würmer ernähren sich davon. Diese wiederrum stellen die Mahlzeit von Vögeln und Fischen dar, welche dann schlussendlich auf den Tellern von uns Menschen landen. Sobald Mikroplastik einmal in den Gewässern ankommt, ist es nicht mehr daraus zu entfernen.

Doch weshalb nun sollte dieser Kreislauf schädlich sein? Plastik besteht aus Chemikalien und wirkt zudem anziehend auf weitere Schadstoffe. Die Konzentration von schädlichen Stoffen ist im Mikroplastik oft bis zu hundertmal höher als im Meerwasser. Die Mikroplastikteile übertragen ihre Schadstoffe auf ihre Umwelt, also auch auf die Tiere und Pflanzen.

Erfolge gegen Mikroplastik

Der BUND hat vor zwei Jahren eine weitangelegte Kampagne gegen Mikroplastik gestartet und konnte dadurch erste Erfolge im Kampf gegen die Kunststoffteilchen erzielen.

Mit einer vom BUND zusammengestellten Liste mit mikroplastikhaltigen Kosmetika wurde das Interesse der KonsumentInnen geweckt: Bisher wurde die Liste über 200.000-mal heruntergeladen. Der Druck auf die Hersteller steigt, denn immer mehr Menschen achten darauf, die richtigen Produkte zu kaufen.
Auch der BUND möchte das Handeln der Kosmetikfirmen beschleunigen. Er kämpft für eine Deklarationspflicht für alle in einem Produkt verwendeten Inhaltsstoffe. Diese sollten außerdem in unmissverständlicher Sprache deklariert werden.

Bisher haben schon einige Hersteller reagiert und sich zum Ausstieg aus der Verwendung von Mikroplastik entschieden. Die Liste dieser Unternehmen ist auf der Homepage des BUND einzusehen.

Was können KonsumentInnen gegen Mikroplastik tun?

Für KonsumentInnen ist es oft schwierig bis nahezu unmöglich herauszufinden, welche ihrer Produkte Mikroplastik enthalten. Die Transparenz ist aufgrund fehlender Kennzeichnungen erschwert. Auch stehen auf den Produkten keine Mengenangaben, die Konzentration des Plastiks im Produkt ist also nicht erfahrbar.

Trotzdem müssen KonsumentInnen nicht tatenlos dabei zusehen, sondern können folgende Schritte befolgen:

1. Entscheiden Sie sich, keine Produkte mit Mikroplastik mehr zu konsumieren. Sie erhöhen damit den Druck auf die Hersteller. Oder melden Sie sich direkt bei ihm und fordern ihn auf, Mikroplastik aus seinen Produkten zu entfernen. Mit dieser Taktik haben über 20.000 KonsumentInnen den Mikroplastik-Ausstieg Yves Rochers erzwungen.

2. Schließen Sie sich der Aktion des BUND an. Diese sucht möglichst viele Personen, die das Versprechen abgeben, keine Kosmetik mit Mikroplastik mehr zu kaufen. Den Konzernen wird somit ein klares Signal gesetzt. Melden Sie sich an unter: www.bund.net/sagenein

3. Kennen Sie ein Produkt mit Mikroplastik, das noch nicht auf der BUND-Liste steht? Mithilfe eines Formulars auf der Homepage des BUND können Sie dieses Produkt melden, es wird dann nach einer Prüfung umgehend in die Liste aufgenommen.

4. Stellen Sie Ihre Peelings und Kosmetikprodukte selber her, um auf Nummer sicher zu gehen.

5. Vermindern oder vermeiden Sie grundsätzlich Ihren Plastikverbrauch, denn daraus könnte Mikroplastik entstehen. Verzichten Sie beim Einkauf auf Plastiktüten und Verpackungen aus Kunststoff.

Weitere Informationen unter: www.bund.net/themen_und_projekte/meeresschutz/muellkampagne/mikroplastik

Quelle: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND).
Bildquelle: Petra Bosse/pixelio.de