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Biowissen vom 23.07.2015
 

Ratgeber Fisch

Bewusst einkaufen zum Schutz der Meere

Laut Welternährungsorganisation FAO sind 57 Prozent aller Speisefisch-bestände bis an die Grenze genutzt, 30 Prozent überfischt oder erschöpft. Kein Wunder: Die Technik, mit der große Fangflotten die Meere durchkämmen wird immer ausgefeilter. Kilometer lange Netze, Sonar-Technik und hochmoderne Verarbeitungsanlagen direkt an Bord machen es möglich, so viel Fisch zu fangen, dass sich die Bestände nicht mehr auf natürliche Weise erholen können.

Da viele Meere überfischt sind, greifen die Flotten auf entlegenere Regionen zurück, missachten Fangquoten oder lassen die Netze noch tiefer am Boden entlang gleiten. Die Folge: Meeresboden und Korallenriffe samt der darin lebenden Tiere werden geschädigt. Außerdem werden mit den Speisefischen auch Beifang aus dem Wasser gezogen - also Tiere, die gar nicht für unsere Teller bestimmt sind.

Helfer beim Einkauf

Man kann keine pauschale Empfehlung geben, welche Fisch-Arten immer mit gutem Gewissen gegessen werden können. Denn es gibt viele verschiedene Arten sowie Fang-Gebiete und -Methoden. Außerdem werden Käufer oft mit verschiedenen Namen in die Irre geführt. Der bedrohte Dornhai wird zum Beispiel als "Schillerlocke" verkauft, gefährdete Thunfisch-Arten nur mit dem Oberbegriff "Thunfisch" gekennzeichnet. Sie sollten sich daher Zeit beim Studieren des Etiketts lassen und die Finger von Ware lassen, die ungenau ausgezeichnet ist (z.B. lateinischer Name, Kenn-Nummer des Fanggebiets, Fangmethode).

Siegel können eine erste Hilfestellung beim Einkauf bieten. Das "MSC-Siegel" (Marine Stewardship Council) und das Label "Naturland Wildfisch" zertifizieren in erster Linie Wildfisch, das "Global G.A.P.-Siegel" Fisch aus Aqua-Kulturen und das "FOTS-Siegel" (Friends of the sea) beides. Doch sollten Sie nicht zu viel von diesen Kennzeichnungen erwarten. Es handelt sich nicht um gesetzliche Rahmen-bedingungen wie beim Bio-Siegel, sondern um selbst auferlegte Kriterien.

Daher kommt es immer wieder zu Kritik in den Medien. Wie kürzlich beim MSC-Siegel, das nach eigenen Angaben keine Vorschriften macht, welche Fanggeräte eingesetzt werden dürfen oder wofür der gefangene Fisch verwendet werden darf. Es geht bei dem Programm vielmehr darum, nach und nach Änderungen im Fischerei-Management zu erwirken, also nur bedingt um Sofort-Maßnahmen.

Daher stehen Umwelt-Organisationen wie Greenpeace Siegeln skeptisch gegenüber, obwohl sie einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Nachhaltigkeit leisten. Dennoch empfehlen sie, beim Kauf besser auf differenzierte Informationen zurück zu greifen, die in einem handlichen Ratgeber zusammen gestellt wurden. Dort finden Sie z. B. den Hinweis, dass Regenbogenforellen aus deutschen, ökologischen Aquakulturen in Teichen bedenkenlos gekauft werden können. Bei Thunfisch, Tintenfisch, Shrimps und anderen beliebten Meeres-Delikatessen müssen Sie hingegen auf die genaue Herkunft und die Fangmethode achten. Viele Fisch-Arten wie Aal, Rotbarsch und Hoki (Blauer Seehecht) sind ganz tabu.

Auch der WWF hat einen Einkaufsratgeber erstellt, in dem einzelne Fisch-Arten und Gebiete bewertet wurden. Auf der Internet-Seite finden Sie auch einen "Beifang-Rechner".

Wildfang oder Aquakultur? Bio oder konventionell?

Beim konventionellen Wildfang - der in den Supermarktregalen überwiegt - kommt es oft zu Überfischung, zu viel Beifang und illegalem Fischen in geschützten Gebieten. Der Bio-Wildfisch wird dagegen meist mit Langleinen gefischt. Dadurch wird garantiert, dass nur so viele Fische gefangen werden, wie "nachwachsen" können. Außerdem dürfen Fischer nicht in bedrohten Beständen "räubern". Die Kontrollen solcher Maßnahmen sind allerdings noch ungenügend.

Bei der konventionellen Aquakultur fallen diese Probleme auf den ersten Blick nicht an. Allerdings nur, wenn der Zuchtfisch nicht mit Fangfisch gefüttert wird. Es ist außerdem wichtig, woher die Eier bzw. Jungtiere stammen. Bei der Zucht von Bio-Fisch wird Futter aus ökologischem Landbau gegeben. Außerdem haben die Fische viel Platz zum Wachsen. Deshalb sind die Produkte entsprechend teurer. Doch es lohnt sich. Außerdem gilt: Fisch am besten nur selten und mit Genuss essen.

Autorin: Marika Muster

www.oekolandbau.de/haendler/warenkunde/fisch-und-meeresfruechte/biofisch/


Bild: Greenpeace