Sie befinden sich hier: | Biowissen


alle Beiträge anzeigen | neue Suche
Biowissen vom 09.02.2015
 

GUTES BEWIRKEN - BEWUSST KONSUMIEREN

Mit alltäglichen Entscheidungen die Welt für sich und Andere ein Stückchen besser machen

Täglich trifft jeder Mensch eine unzählige Menge an Entscheidungen. Oftmals realisiert man dies schon gar nicht mehr oder lässt sich von der Macht der Gewohnheiten leiten. Welche Tragweite viele unserer Entscheidungen haben, selbst die ganz kleinen, ist uns oftmals gar nicht bewusst. Wenn wir aber doch am Rande unseres Bewusstseins und im Hinblick auf andere Menschen und die Umwelt erkennen, dass eine bestimmte Wahl vielleicht nicht die Optimale ist, entschuldigen wir uns viel zu gern gedanklich mit der Ausrede: "Ich allein werde da jetzt wohl auch keinen Unterschied mehr machen können." Das stimmt so nicht, denn es gibt viele Möglichkeiten, für Veränderungen zu sorgen, indem man im Kleinen neue Entscheidungen fällt. Vielleicht ist der Beginn des neuen Jahres eine gute Gelegenheit, ein paar alte Gewohnheiten zu überdenken.

Plastikmüll vermeiden
Eine der schwerwiegendsten Angelegenheiten, die unsere Zivilisation aktuell beschäftigt, ist die unfassbar große Menge an Müll, die wir produzieren - allein rund 600 Kilogramm Müll pro Kopf pro Jahr in Deutschland. Besonders bedenklich ist dabei der Kunststoffabfall, der zum großen Problem wird, sobald er in die Umwelt gelangt.

Immer mehr Aufmerksamkeit erregt hierbei insbesondere die Verschmutzung der Meere durch Kunststoff. Inzwischen treiben auf jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche bis zu 18.000 Plastikteile unterschiedlichster Größe. Diese schaden speziell der Fauna: Tiere verhungern oftmals mit vollen Mägen, da sie die Teilchen als Nahrung missverstehen, das Plastik aber den Verdauungstrakt verstopft. Andere Tiere verletzten sich an scharfkantigen Kunststoffteilen oder verfangen sich in Netzen und Tüten.

Im Durchschnitt nutzt jeder Bundesbürger 71 Plastiktüten im Jahr. Damit liegen die Deutschen zwar weit hinter Ländern wie Bulgarien mit einem Jahresverbrauch von 421 Stück, dennoch ist die Zahl angesichts der Einfachheit, Plastiktüten zu umgehen, viel zu hoch. Der Gebrauch von Stofftaschen oder Einkaufskörben aus Naturmaterialien schont nicht nur die Umwelt sondern auf Dauer auch den Geldbeutel.

Auch in Plastik abgepacktes Obst und Gemüse trägt zur hohen Abfallproduktion in Deutschland bei. Insgesamt wurden 2011 bundesweit 9,65 Millionen Tonnen Kunststoff verbraucht. Davon zwar nur ein kleiner Teil für Verpackungsfolien und Tüten, dennoch ist dies ein in vielen Fällen vermeidbarer Verbrauch von Ressourcen. Paprika und Äpfel müssen nicht nach genauem Gewicht abgepackt, Gurken einzeln eingeschweißt und jeder Teebeutel extra portioniert werden.

Wenn wir solche Verpackungen meiden, verringern wir nicht nur Kunststoffabfall, gleichzeitig kann auch Lebensmittelverschwendung reduziert werden. Denn während fertig abgepackte Ware uns zum Kauf einer bestimmt Menge zwingt, kann der Einkauf loser Produkte dem tatsächlichen Bedarf angepasst werden. So laufen wir weniger Gefahr, dass Nahrungsmittel verderben und im Müll enden.

Umsteigen jetzt - Thermobehälter statt to-go-Becher
Ein weiteres Monster der Kunststoffabfallproduktion ist die moderne Vorliebe für to-go-Heißgetränke. Diese Becher werden generell nur einmal verwendet und landen danach in der Tonne. Jährlich fallen alleine nur in Deutschland 6,6 Milliarden to-go-Becher an, die aufeinander gestellt höher wären, als die Distanz bis zum Mond. Zusätzlich zu den Unmengen an Abfall kommt noch der Verbrauch wertvoller Ressourcen wie Bäume, Wasser, Energie und die damit anfallende CO2-Produktion. Vielleicht also, ist es an der Zeit, auf einen selbst mitgebrachten Thermobecher umzusteigen und das Einwegprodukt beim nächsten Kaffeekauf abzulehnen?

Regionale Produkte bevorzugen
Ein Argument für mehr Nachhaltigkeit im Alltag findet sich im Einkaufswagen. Mit den Entscheidungen, was darin landet, kann ein großes Stück auf dem Weg des bewussteren Lebens genommen werden. Dabei gilt: Regional ist erste Wahl!
Produkte aus dem Umland zu kaufen, spart CO2 durch die kurzen Transportwege. Außerdem kann man davon ausgehen, dass Obst und Gemüse aus der Region meist dem saisonalen Angebot entsprechen. Zusätzlich stärkt der Kauf regionaler Produkte die lokale Wirtschaft. Dabei ist regionale Ware oft auch günstiger, als Produkte aus fernen Landen.

Bio & Fair schont mehr
Der Griff zu regionalen Lebensmitteln in Bio-Qualität ist zusätzlich eine gute Entscheidung. Die Erzeugung von Bio-Produkten, unter anderem durch den Verzicht auf Gentechnik, chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und vorbeugenden Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung schont Umwelt und Ressourcen. Bei der Kaufentscheidung sollte man auch das Fairtrade-Siegel berücksichtigen, das die gerechte Entlohnung der Produzenten in südlichen Ländern garantiert.

Bewusster Fleischkonsum
Die Reduktion des Fleischkonsums ist ein zusätzlicher Aspekt nachhaltigen Konsums. Die Produktion von Fleisch erfordert den Einsatz von viel Energie und Wasser. Zusätzlich wird eine enorme Fläche für den Anbau von Futterpflanzen gebraucht. Inzwischen werden Zweidrittel der weltweiten Ackerfläche dafür genutzt. Dies strapaziert vielerorts nicht nur die Böden, sondern verdrängt auch den Lebensraum von Menschen und Tieren. Dazu kommt noch der massenhafte Gebrauch von Medikamenten in der Tierhaltung, der zur Verunreinigung von Gewässern führt und für Antibiotika-Resistenzen verantwortlich ist. Also: Wenn schon unbedingt Fleisch auf den Teller soll, dann reduziert und bevorzugt aus ökologischer Tierhaltung.

Teilen statt besitzen
Nicht nur in Bezug auf den Fleischkonsum ist die Redewendung "Weniger ist mehr" treffend. Das moderne Leben mit all seinen technischen Möglichkeiten macht es uns immer leichter, weniger zu besitzen, ohne tatsächlich auf etwas verzichten zu müssen. Initiativen wie "Toolsharing" oder die ursprüngliche Idee des "Carsharings" ermöglichen über Onlinebörsen das Teilen von Dingen, die viele Menschen nicht täglich brauchen. So kann man sich beispielsweise die Anschaffung einer eigenen Bohrmaschine für das Anbringen eines einzigen Regals sparen und schont damit nicht nur die Umwelt, sondern auch hier wieder den eigenen Geldbeutel.

Fazit: Ganz offensichtlich gibt es diverse Möglichkeiten, seinen eigenen Konsum bewusster zu gestalten. Und das muss nicht mal schwierig sein. Denn es geht nicht darum, von jetzt auf gleich gänzlich auf Fleisch, Tropenfrüchte und Plastikprodukte zu verzichten und jeden Einkauf verbissen, mit gerunzelter Stirn und einem Ratgeber über Vor- und Nachteile der jeweiligen Produkte zu tätigen. Vielmehr ist es sinnvoll, dort anzupacken, wo man das Gefühl hat, sich selbst und anderen etwas Gutes zu tun.