Sie befinden sich hier: | Biowissen


alle Beiträge anzeigen | neue Suche
Biowissen vom 04.05.2016
 

Thema des Monats: Gärtnern ohne Torf

Torffreie Erde verbessert die Bodenqualität und trägt zum Erhalt unersetzbarer Moorlandschaften bei.

Sobald es warm wird, juckt es allen Gärtnerinnen und Gärtnern in den Fingern: Es ist Pflanzzeit. Zum Bepflanzen von Blumenkästen und Hochbeeten auf dem Balkon, der Terrasse oder im Kleingarten wird viel Blumenerde benötigt. Dabei ist kaum bekannt, dass die großen, schweren Plastiksäcke nicht nur Erde, sondern zum Großteil auch Torf beinhalten. Ahnungslose HobbygärtnerInnen tragen auf diesem Wege ganz ungewollt zum Verschwinden unersetzlicher Moorlandschaften bei.

Für den Gartenbau werden in Deutschland jedes Jahr rund zehn Millionen Kubikmeter Torf verbraucht. Davon werden zwei Drittel im Erwerbsgartenbau und ein Drittel in Hobbygärten eingesetzt.

Naturschützer und Wissenschaftler betrachten diese Entwicklung mit Sorge, denn wenn der Torfabbau in diesem Tempo weitergeht, dann sind in 50 Jahren die Vorräte erschöpft.

Auch wenn Torf ein natürlicher Rohstoff ist, ist er nur bedingt erneuerbar. Die Regeneration eines Moores braucht mehrere tausend Jahre. Mit einer durchschnittlichen Torfablagerung von einem Millimeter im Jahr, kann man sich ausrechnen wie lange es dauern würde, bis zehn oder zwanzig Zentimeter Torf abgebaut werden können.

Was bedeutet der Torfabbau für die Natur und das Klima?

Mit dem unbedachten Einsatz von Torferde gehen unersetzbare Moorlandschaften verloren, was wiederum den Lebensraum seltener Tier- und Pflanzenarten zerstört. Was das Klima anbelangt, sind Moore ein enorm guter Kohlenstoffspeicher. Um Torf abbauen zu können, wird ein Moor zunächst trockengelegt. Bei diesem Prozess dringt Sauerstoff in die oberste Torfschicht ein und der gespeicherte Kohlenstoff wird in klimaschädliches Kohlendioxid umgewandelt.

Im Hinblick auf die negativen Folgen des Torfabbaus für Tiere, Pflanzen und das Klima, bleibt die Frage offen, warum Torf überhaupt im Gartenbau eingesetzt wird. Hier kann zum einen angeführt werden, dass Torf die Durchlüftung des Bodens fördert und zum anderen ein guter Wasserspeicher ist. Auf lange Sicht bleiben diese positiven Eigenschaften jedoch nicht erhalten. Denn sobald Torf einmal ausgetrocknet ist, kann er kein Wasser mehr speichern. Zudem verschlechtert ein hoher Torfanteil die Bodenqualität, da die Fasern sehr nährstoffarm sind und den Boden versauern. Im Gegenteil dazu verbessert die Verwendung von torffreier Erde die Humus- und Nährstoffversorgung des Bodens, was wiederum gute Voraussetzungen für wichtige Bodenlebewesen schafft.

Es spricht also vieles gegen die Verwendung von Torf. Doch was sind die Alternativen?

Eine preiswerte und einfach zu beschaffene Alternative ist Komposterde. Im Gegensatz zu Torf ist Kompost reich an Nährstoffen, was zusätzliche Düngemittel überflüssig macht. Außerdem wird durch den Einsatz von Komposterde, anstelle von Torf, die Bodenqualität wesentlich länger verbessert.

Eine zweite Alternative ist Rindenhumus, welcher aus zerkleinerter und kompostierter Rinde besteht. Verglichen mit Torf ist die Verbesserung der Bodenqualität durch Rindenhumus wesentlich nachhaltiger. Rindenhumus ist nicht zu verwechseln mit Rindenmulch. Hierbei handelt es sich lediglich um zerkleinerte, aber nicht kompostierte Rinde.

Holzfasern werden aus Sägeresten gewonnen und können auch Alternativ für Torf verwendet werden. Ähnlich wie Torf sorgen Holzfasern jedoch nur für kurze Zeit für eine verbesserte Bodenqualität und müssen mit zusätzlichen Nährstoffen angereichert werden.

Als Torfersatz können auch Kokosfasern verwendet werden, die sich hervorragend zur Pflanzenaufzucht eignen. Ähnlich wie Torf sind Kokosfasern ein guter Wasserspeicher. Da sich die Fasern nur langsam zersetzen tragen sie außerdem langfristig zu einer Verbesserung des Bodens bei.

Zwei weitere Alternativen zu Torf sind Chinaschilf- und Hanffasern.

Verglichen mit Torf haben diese Alternativen einen entscheidenden Vorteil: Sie können nachdem sie ausgetrocknet sind wieder Wasser aufnehmen und speichern. Außerdem leisten die meisten der vorgestellten Alternativen einen Beitrag zu einer besseren Bodenqualität.

Diese Vielzahl an Ersatzstoffen macht Torf im Garten überflüssig. Wer beim Einkauf von Blumenerde auf die Hinweise torfreduziert oder am besten vollständig torffrei achtet, verbessert damit die Bodenqualität im eigenen Garten und trägt gleichzeitig zum Erhalt unersetzbarer Moorlandschaften bei. Auf Torf zu verzichten ist im Grunde ganz einfach und hilft einen naturnahen Lebensraum zu bewahren.

Im Rahmen der Aktion "Torffrei Gärtnern" gibt der NABU folgende Tipps:

  • Kaufen Sie nur Blumenerde, die wirklich torffrei ist.
  • Achtung: "torfreduziert" oder "torfarm" heißt: Hier ist noch jede Menge Torf drin!
  • Auch sogenannte Bio-Erde kann Torf enthalten
  • Das RAL-Gütesiegel auf torffreien Erden garantiert ein ökologisch gutes Produkt.
  • Verzichten Sie auf exotische Pflanzen wie Rhododendren. Kaufen Sie stattdessen heimische, für Ihren Gartenboden geeignete Pflanzen.
  • Leiten Sie ein Umdenken ein! Fragen Sie im Handel gezielt nach torffreier
  • Erde oder Torfersatzstoffen und machen Sie auf den Bedarf aufmerksam.

    Mit der Aktion "Torffrei Gärtnern" rückt der NABU das Thema Moorschutz ins Bewusstsein der Öffentlichkeit und macht auf den unbedachten Einsatz von Torf aufmerksam.

    Auf einer Deutschlandkarte können sich torffrei gärtnernde Initiativen, Vereine und Privatpersonen eintragen. Wer sich angemeldet hat, erhält vom NABU ein kostenloses Info-Schild mit der Aufschrift "Hier gärtnern wir ohne Torf. Für die Moore und unser Klima!" sowie Materialien für die Öffentlichkeitsarbeit (z. B. Broschüren, Flyer, Plakate).

    Auch in Hamburg und Umgebung haben sich bereits ein paar Gärtnerinnen und Gärtner auf der Karte eingetragen. Beispielsweise ist die Erde des Saisongartens Ramcke in der Eidelstedter Feldmark torffrei. Dort können Interessierte auf circa einem Hektar Land ihre eigenen Nahrungsmittel säen und ernten. Des Weiteren kann der nach Bioland-Richtlinien zertifizierte Lory Naturgarten in Hamburg-Langenhorn nach Absprache besichtigt werden. Und in einem Neubaugebiet südlich der Elbe wird mit selbst produziertem Kompost und mit zugekaufter Erde aus der Produktion lokaler Gärtnereien gearbeitet.

    Auch in der Gärtnerei der autonomen Jugendwerkstätten Hamburg e. V. (ajw) wird Wert darauf gelegt, Pflanzen so umweltschonend wie möglich zu produzieren. Seit 1999 sind Stauden, Schnittblumen und einige Zierpflanzen der ajw- Gärtnerei als ökologisch angebaute Pflanzen anerkannt.

    Weitere Informationen zum Thema torffrei Gärtnern finden Sie auf der Internetseite des NABU.

    Bildquellen:
    Katrin Schindler/pixelio.de
    Sebastian Hennigs, NABU Aktion Torffrei Gärtnern