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Aktuelles vom 10.10.2017
 

Grundwasser als Quelle der Welternährung

Wasserkrise führt zu Engpässen in der Lebensmittelproduktion

Ernährungssicherheit steht auf der Agenda 2030 der Vereinten Nationen weit oben. Aber kann dieses Nachhaltigkeitsziel - das Sustainable Development Goal (SDG) 2 - auch erreicht werden?

Der künftige Umgang mit den verfügbaren Grundwasserressourcen wird für die Ernährung der Weltbevölkerung entscheidend sein. Fast die Hälfte der globalen landwirtschaftlichen Bewässerung speist sich aus Grundwasser - einer Quelle, die in vielen Regionen massiv übernutzt wird.

Wasserforscher Thomas Kluge vom ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung zeigt Lösungen für eine nachhaltige Grundwassernutzung auf.
In vielen Teilen der Welt werden Grundwasservorräte so stark übernutzt, dass der Grundwasserspiegel drastisch sinkt. Betroffen sind Regionen mit intensiver landwirtschaftlicher Bewässerung beispielsweise in den USA, in China, Pakistan, Süd- und Westindien und im Nahen Osten. Aber auch in Europa leeren sich die Grundwasserspeicher, etwa in Spanien, Südfrankreich, Bulgarien und Griechenland.

"Der extreme Zugriff auf das Grundwasser führt vor allem in trockenen und halbtrockenen Gebieten dazu, dass die sogenannten Ausgleichspuffer verschwinden", sagt ISOE-Wasser-forscher Thomas Kluge. "Seen, Feuchtgebiete und Flüsse trocknen aus, ein Problem, das durch den Klimawandel noch verschärft wird." Denn steigende Temperaturen erhöhen die Verdunstungsrate, entsprechend weniger Grundwasser kann sich neu bilden. "Damit steigt das Risiko für die Ernährungssicherung", sagt Kluge, "weil die Nahrungsmittelproduktion auf Grundwasservorräte angewiesen ist. Wenn der Umgang mit der Ressource nicht nachhaltig reguliert wird, kommt es zwangsläufig zu Engpässen in der Lebensmittelproduktion."

Internationales Programm soll Übernutzung der Grundwasserressourcen beenden
Eine nachhaltige Grundwasserentnahme bedeutet, nicht mehr Wasser zu entnehmen, als sich langfristig über den Wasserkreislauf neu bilden kann. "Zwar bestehen auch in den vom Wassermangel betroffenen Ländern gesetzliche Vorgaben zur Grundwasserregulierung, aber das Problem liegt in der fehlenden Überwachung", sagt Wasserexperte Kluge, der für eine sinnvolle Regulierung ein umfassendes Datenmonitoring der Wassermengen empfiehlt, damit Raten für die notwendige Grundwasserneubildung solide bestimmt werden können. Das setze die Kooperation von Behörden und Nutzern voraus, die aber oft schon an Eigentumsverhältnissen scheitere. Auch Korruption, Machtmissbrauch und eine schwach ausgeprägte Staatlichkeit stünden einer gelingenden Regulierung entgegen. "Durch die institutionell-administrativen Schwächen wird selbst die mitunter dramatische Übernutzung der Grundwasservorräte zum blinden Fleck", beobachtet Kluge. "Wir brauchen deshalb die Festschreibung eines international geregelten Grundwassermonitorings mitsamt Hilfestellung zur Modellierung von Grund-wasserdynamiken im Rahmen eines internationalen Programms, das sich an den UN-Nachhaltigkeitszielen orientiert", fordert Kluge.

Grundwasserbewirtschaftung muss Teil der Sustainable Development Goals (SDG) werden.
Schützenswert sind aus Sicht des Wasserexperten vor allem die fossilen Grundwasservorräte, die ältesten und tiefstliegenden Wassersysteme der Erde, die nicht mehr durch Niederschläge erneuerbar sind. "Diese natürlichen Wasserschätze werden irreversibel zerstört", sagt Kluge. Vor allem in Ägypten, im mittleren Osten, Jordanien, aber auch in Libyen nimmt das Abpumpen fossiler Grundwasser dramatisch zu. "Um die sich zuspitzende Grundwasserkrise in den Griff zu bekommen, sollten die Sustainable Development Goals (SDG) nach Meinung von Kluge um eine Definition der nachhaltigen Grundwasserbewirtschaftung ergänzt werden.

ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung
Hamburger Allee 45
60486 Frankfurt am Main
Tel. +49 69 707 69 19-0
Fax +49 69 707 69 19-11
info@isoe.de
www.isoe.de

Forschungsschwerpunkt Wasserressourcen und Landnutzung
Stefan Liehr (Leitung)
liehr@isoe.de


Pressemitteilung ISOE vom 10. Oktober 2017 zum UN-Welternährungstag (16. Oktober 2017)

Bildquelle: pixabay