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Aktuelles vom 09.05.2012
 

Erhöhte PCB- und Dioxinwerte in Eiern

Ursachenklärung geht weiter - Dioxin ist Umweltproblem

Seit Anfang April wurden bei sieben Legehennenbetrieben in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen erhöhte Dioxin-, dioxinähnliche PCB- oder PCB-Werte festgestellt. Darunter sind vier Bio- und drei konventionelle Betriebe. Die Ursachen der überhöhten PCB-/Dioxin-Gehalte scheinen bisher unabhängig voneinander zu sein; bislang vorliegende Analysen von Boden, Einstreu, Futter und Tränkewasser sowie verschiedener Materialien, mit denen die Hennen in Kontakt kommen können, erklären die überhöhten Dioxin-/PCBGehalte
nicht. Weitere Proben werden analysiert, um mögliche Ursachen eingrenzen zu können.

Der zuletzt bekannt gewordene Fall wurde am 5. Mai bei Routineuntersuchungen der Eier eines niedersächsischen Bio-Betriebes im Landkreis Oldenburg gefunden. Es handelt sich um überhöhte Werte von nichtdioxinähnlichen PCB. Der Hof wurde gesperrt, belastete Eier, die noch in der Packstelle in Sachsen-Anhalt vorhanden
waren und die Chargen, die bereits in die Niederlande ausgeliefert wurden, sperrte die zuständige Behörde nach Bekanntwerden der Untersuchungsergebnisse. Eier, die eventuell in den Handel geraten sein könnten, tragen die Stempelnummer 0-DE-0357911. Mit der Auswertung der amtlichen Proben wird Ende dieser Woche gerechnet.

Neben dem Eintrag über den Auslauf können Dioxine und dioxinähnliche Stoffe z.B. auch über belastetes Futter oder über falsch betriebene oder defekte Heizungsanlagen im Stall in die Eier gelangen. Bei Untersuchungen des verwendeten Futters des EU-Bio-Betriebs in Ostwestfalen-Lippe sind laut Behördenangaben keine Verunreinigungen gefunden worden. Auch bei den zwei Duisburger Betrieben und den niedersächsischen Höfen konnten in den Futtermitteln keine Dioxin- bzw. PCB-Belastungen festgestellt werden. Auch das Tränkewasser wurde als Quelle der Kontamination in allen Fällen ausgeschlossen. In Niedersachsen wurden im Umkreis der betroffenen Auricher Höfe Eier von acht weiteren Legehennenbetrieben untersucht. Dabei wurden keine auffälligen Werte
gemessen.

Bei Bodenproben auf dem konventionell bewirtschafteten Teil des Stemweder Betriebes wurden PCB-Moleküle nachgewiesen, die eine hohe Überstimmung mit den Rückständen in den Bio-Eiern des Betriebes aufweisen. Es wird nun geklärt, ob es auf dem Hof noch eine zweite Kontaminationsquelle gibt. Am 7. Mai wurde die Vermarktung der konventionell produzierten Stemweder Eier wieder freigegeben, weil in diesen bei der Beprobung keine PCB-Belastung nachgewiesen werden konnte. Die Ergebnisse von weiteren Futter- und Bodenproben stehen noch aus.

Neben natürlichen Quellen entstehen hohe Dioxinbelastungen des Bodens vor allem durch industrielle Produktionsprozesse oder lokale Verbrennungsereignisse. Obwohl viele Belastungen aus der Vergangenheit stammen und Einträge reduziert werden konnten, gibt es auch noch aktuelle Eintragspfade. Das Problem des Dioxin- und PCB-Eintrages in unsere Umwelt ist Behörden und Politik seit langem bekannt. Von den Verunreinigungen sind in der Tierhaltung alle Landwirte betroffen, die ihren Tieren einen artgerechten Auslauf auf die Weide ermöglichen.

Auf Bio-Betrieben gehaltene Tiere müssen aus Tierschutzgründen Auslauf ins Freie haben. Der Ökologische Landbau zeichnet sich gerade dadurch aus, dass er nicht jene Stoffe in die Umwelt bringt, die später zur Belastung für Natur, Mensch und Tier werden. Die Verbände und Betriebsleiter sind sich der Problematik einer möglichen Belastung des Bodens mit Dioxin oder dioxinähnlichen Stoffen bewusst und reagieren in begründeten Einzelfällen bei Gefahr von Altlasten darauf mit vorsorglichen Probenahmen und einem entsprechenden Auslauf- und Weidemanagement. Grundsätzlich ist es jedoch notwendig, den Eintrag von Dioxinen weiter zu reduzieren und Strategien für die Tierhaltung zu entwickeln, mit Umweltbelastungen bei der Freilandhaltung umzugehen.

www.boelw.de