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Aktuelles vom 28.03.2012
 

Thema des Monats

Ich miete mir einen Gemüsegarten


Mitten in Hamburg zu wohnen, die eigenen Möhren heranwachsen zu sehen und aus der Erde zu ziehen - die Gemüse-Selbst-Ernte macht unkompliziertes Gärtnern ohne eigenen Garten für jedermann möglich und wird immer populärer. Denn ohne großen Aufwand kann man das eigene Bio-Gemüsebeet bewirtschaften und auf diese eindrucksvolle Art, den Rhythmus der Jahreszeiten erleben.

Die Gemüse-Selbst-Ernte muss man sich vorstellen als einen großen, bunten Gemüsegarten, der unterteilt ist in viele gleichgroße Parzellen, auf denen jeweils dasselbe wächst. Hier gibt es die Möglichkeit, auch ohne große Vorerfahrung viel leckeres eigenes Gemüse zu ernten. Das Konzept ist bereits vor über 25 Jahren in Österreich entstanden, und mittlerweile gibt es Gemüse-Selbst-Ernte-Projekte in fast allen deutschen Großstädten.

So funktioniert's
Gegen einen einmaligen Saisonbeitrag kann man von Mai bis zum Herbst frisches Gemüse selbst heranziehen und ernten. Vor allem Familien mit Kindern nutzen das Angebot, hautnah zu erleben, wie das Essen eigentlich wächst. Da die Kinder Möhren oder Erbsen selbst ernten können, wird das Gemüse nicht selten bereits an Ort und Stelle verspeist.

Bei der Übernahme im Mai ist der Acker bereits in Reihen mit 20 bis 30 verschiedenen Kulturen besät und bepflanzt: Erbsen, Bohnen, Salat, Kohlrabi, Kartoffeln, aber auch Mangold, Kürbis, Zuckermais und vieles mehr finden sich auf dem Gartenstück. Die Bodenbearbeitung und das Düngen sowie die erste Aussaat werden bereits im Vorfeld durch die LandwirtInnen geleistet. Sobald etwas abgeerntet ist, kann nachgesät und gepflanzt werden.

Die Ernte beginnt je nach Witterung Ende Mai oder Anfang Juni, wenn die ersten Salate, Radieschen oder Spinat mit nach Hause genommen werden können. Die 80 - 100 m² großen Parzellen liefern den ganzen Sommer über ausreichend Gemüse für eine vierköpfige Familie, es werden aber auch halb so große Ackerstücke für ein bis zwei Personen angeboten.

Muss ich Gärtner-Erfahrung mitbringen?

Vorerfahrungen beim Gärtnern oder im Gemüsebau sind nicht notwendig, da es regelmäßige Beratungsangebote vor Ort gibt. So ist eine reichhaltige Ernte garantiert.

Dass frisch geerntetes Gemüse einen unvergleichlichen Geschmack hat, den man in keinem Supermarkt kaufen kann, ist für viele ParzellengärtnerInnen ein besonderer Lohn für ihre Arbeit: Ab der Übernahme im Mai ist jede/r selbst für die Gemüseparzelle zuständig, es muss also gegossen, Unkraut gejätet und geerntet werden. Die dafür notwendigen Gartengeräte und das Gießwasser werden vor Ort bereitgestellt.

Im Vergleich zum klassischen Schrebergarten, hat man bei der Gemüse-Selbst-Ernte viel weniger Verpflichtungen: Es ist keine Hecke zu schneiden und kein Rasen zu mähen. Die Parzelle wird je Saison gebucht, so dass man das Gärtnern zunächst einen Sommer lang ausprobieren kann. Wer jedoch eine Saison das eigene Gemüse gegessen hat, mag im folgenden Jahr ungern darauf verzichten.

Gibt es das auch in Hamburg?
Ja, inzwischen gibt es bereits drei Anbieter von "Miet-Gemüsegarten".

Wer einen zu 100 % ökologisch bewirtschafteten Gemüsegarten möchte, ist beim Erlebnisgarten Hamburg - Hamburgs 1. Bioland-zertifizierten Selbstversorgergarten - goldrichtig. Der Bioland-Betrieb Erlebnisgarten Hamburg bietet seit 2010 Gemüseparzellen zur Pacht an. In diesem Jahr gibt es ein neues zusätzliches Angebot: Wer eine Gemüse-Selbst-Ernte-Parzelle auf dem Betrieb in den Vierlanden mietet, kann den Bewässerungsservice gleich dazu buchen. So kann man mit minimalem Aufwand eigenes Bio-Gemüse frisch vom Acker ernten. Als Zusatzangebote insbesondere für Kinder gibt es viele Streicheltiere, die mit den Gemüseresten gefüttert werden dürfen. Mehr Informationen über den Erlebnisgarten finden sich hier.

Seit diesem Jahr vermietet auch meine ernte Parzellen zur Gemüseernte in Eigenregie in Hamburg. Die Standorte liegen in Hamburg-Norderstedt und Stapelfeld. meine ernte arbeitet ohne Bio-Siegel. Bei der Bewirtschaftung der Gärten verzichten aber alle Hobbygärtner auf leichtlösliche Mineraldünger sowie auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel. Außerdem wird bevorzugt ökologisches Saatgut eingesetzt, das auch in der Gemüsebox für zu Hause zu finden ist. Mehr Informationen gibt es hier.

Familie Vickery bietet mit Erntezeit ebenfalls seit 2010 Gemüse-Selbst-Ernte-Parzellen an. In der Nähe von Pinneberg, in Hamburg-Fischbek, sowie nahe Lüneburg gibt es mittlerweile Standorte. Das Saatgut und die Jungpflanzen stammen auch hier aus ökologischem Landbau.

Text: Susanne Drengemann
Fotos: Tammo Ganders